Die andere Wahrnehmung der Welt ist ein großer Unterschied zu nicht autistischen Menschen. Sensorik ist ein Thema, welches bei den gängigen Diagnosekriterien wenig oder gar nicht mit einbezogen wird. Sensorische Reize sind aber für autistische Menschen von grundlegender Bedeutung.

 

So tritt eine Reizfilterschwäche sehr häufig auf. Hierbei kann die autistische Person einzelne Reize nicht ignorieren, wie es bei nicht autistischen Personen der Fall ist, sondern sie hört oder sieht ständig „alles“, jedes Detail und jede noch so kleine Kleinigkeit. Dieser natürliche Filter, der dafür sorgt, dass nur wichtige Geräusche, optische Eindrücke, taktile Reize usw. wahrgenommen und das Unwichtige ausgeblendet wird, funktioniert hier nicht.

 

Zu viele Reize können dann eventuell zu einem sogenannten Overload führen. Ein Overload ist eine aversive Situation totaler Reizüberflutung und / oder Überforderung. Er zeigt sich in unterschiedlicher Weise, z.B. indem (Eigen-)Aggression auftreten, der Autist erstarrt, geschrien oder die Situation verlassen wird, wild rumgerannt wird, mehr „stereotype“ Verhaltensweisen gezeigt werden etc.. Bei einem Overload gerät im Kopf des Autisten alles durcheinander.

Alles ist dann nur noch Chaos im Kopf, alle Geräusche können eins werden und es ist nicht mehr zu unterscheiden, welches Geräusch wozu gehört. Sprache kann zu einem einzigen Brei und nicht mehr verstanden werden.

Gefühle, die aufkommen, können nicht mehr zugeordnet, geschweige denn bewältigt werden.

Zu (Auto-)Aggression kann es kommen, weil das autistische Kind einfach in Ruhe gelassen werden möchte und einfach nur noch will, dass das alles jetzt sofort aufhört, denn es kann sich so anfühlen, als würden der Kopf und der Körper gleich explodieren, weil die Grenzen des zu Verarbeitenden längst überschritten sind.

Die betreffende Person fühlt sich also zu nichts mehr fähig, kann sich vielleicht nicht mehr bewegen, kann nicht mehr sprechen, die Worte, die benötigt werden würden, um zu sagen, dass jetzt gar nichts mehr geht, sind einfach nicht mehr da, fallen einem einfach nicht mehr ein, egal, wie sehr man sich auch anstrengt.


Es kann auch passieren, dass man als Autist selbst nicht gleich bemerkt, dass sich ein Overload anbahnt, sondern erst dann bemerkt, dass alles viel zu viel ist, wenn es eigentlich schon zu spät ist und gar nichts mehr “funktioniert”.

Außenstehende können sich dann vielleicht wundern, weil doch gerade eben noch alles “in Ordnung” war und plötzlich nichts mehr geht oder der Autist sich “komisch” verhält.

Und auch kann es dann sein, dass man als Autist dann einfach keine Worte dafür findet, allerdings sollte hier dann jede Äußerung wirklich ernst genommen und nicht mit “übertreib mal nicht so” oder “stell dich nicht so an” abgetan werden. Der Zustand an sich ist schon schlimm genug. Nicht ernst genommen werden ist dann noch viel schlimmer.


In solchen Situationen benötigt das autistische Kind ganz dringend Ruhe oder wenigstens andere oder besser planbare und bekannte Stimuli. Sobald die Situation verlassen werden kann und das Kind ausreichend Zeit hat (die Zeitspanne kann hier von Person zu Person sehr unterschiedlich sein), kann dieser „Chaossturm“ sich wieder beruhigen.

Und ganz wichtig: bitte nicht anfassen (außer man hat zuvor gefragt und der Autist ist damit einverstanden)! Anfassen ist hier ein zusätzlicher Reiz, der körperlich weh tun kann, den man noch Stunden später auf der Haut spüren kann und die ganze Situation nur noch verschlimmert!


Auch die starke Aufmerksamkeit für das Detail und weniger auf den großen Zusammenhang spielt eine große Rolle. Denn oft kann nur die genaue Fokussierung auf etwas Bestimmtes die Aufmerksamkeit darauf lenken, betrachten Autisten das Ganze können sie schnell abgelenkt oder auch überfordert sein. Dies wird auch durch die andere Empfindlichkeit eines oder mehrerer Sinne (Geräusche, Licht, Berührung, Geschmack, Schmerz) verstärkt. Viele Autisten hören beispielsweise geringste Geräusche, sind sehr empfindlich gegenüber Lichteinflüssen oder haben eine veränderte Schmerzwahrnehmung.

 

Da diese Zustände für ein autistisches Kind extrem anstrengend und Eltern in solchen Situationen hilflos sind, ist es sinnvoll, Strategien und Hilfestellungen für das autistische Kind zu entwickeln. Gerne möchte ich Sie dabei unterstützen solche individuellen Strategien für Ihr Kind zu entwickeln. Auch hierbei kann die Hypnose unterstützend wirken, denn in vielen Fällen ist es für Eltern schon hilfreich, zur Ruhe zu kommen, eigene Ressourcen zu aktivieren, um den Umgang und den Alltag zu erleichtern, eigene Ängste und Befürchtungen zu erkennen und aufzulösen und auf diese Weise mit neuen Erkenntnissen und Energien den Alltag besser zu bewältigen.